Venezolanischer Petro: Schon wieder eine neue Kryptowährung - aber was ist das überhaupt?

09 Dec 2017
Bitcoin - Kryptowährung

Die venezolanische Landeswährung Bolivar weist aktuell eine Inflationsrate von 1.000 Prozent auf (Spiegel online), für nächstes Jahr wird sogar der doppelte Wert prognostiziert (wallstreet:online). Das Land steht also kurz vor dem Staatsbankrott.

Präsident Nicolás Maduro will die Staatspleite durch die Einführung einer eigenen sog. "Kryptowährung" verhindern: Dem "Petro". Der Name leitet sich von Petroleum bzw. Petrol ab, das durch fraktionierte Destillation von Erdöl gewonnen wird. Das leuchtet ein, denn Venezuela ist laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) aktuell das Land mit dem weltweit größten Erdölvorkommen und die Kryptowährung soll mit den Ölreserven, Mineral- und Diamantvorkommen abgesichert werden können, so hofft Präsident Maduro.

Aber, was ist denn nun eigentlich eine "Kryptowährung"? Wie unterscheidet sie sich von konventionellen Staatswährungen? Und was hat es mit dieser mysteriösen "Blockchain" auf sich, die ständig in Verbindung mit diesen Währungen genannt wird?

Ich kann verstehen, dass diese Begriffe bei vielen nur große Fragezeichen über dem Kopf hinterlassen. Dabei ist das Konzept bereits fast 10 Jahre alt. Satoshi Nakamoto ist der berühmt berüchtigte Erfinder der weltweit ersten Kryptowährung "Bitcoin", die bereits im Jahr 2008 entwickelt wurde. Der Name ist allerdings nur ein Pseudonym und niemand weiss, wer tatsächlich dahinter steckt, ob es eine Einzelperson ist oder gar eine Gruppe. Aktuellen Gerüchten zufolge, könnte zwar der KI-Kritiker Elon Musk hinter dem Pseudonym stecken, das wurde aber bereits via Twitter von ihm persönlich dementiert. Sorry, liebe Verschwörungstheoretiker.

Nun aber zum Wesentlichen: Eine Kryptowährung ist ein digitales und rein virtuelles Zahlungsmittel, das völlig ohne konventionelle Regularien wie z.B. Zentralbanken, Regierungen oder Gesetze auskommt. Um zu funktionieren benötigt diese Währung eine Datenbank bzw. eine sog. "Blockchain", die dezentral auf tausenden von Servern abgespeichert wird. Ein einzelner Block dieser Kette (chain) besteht aus einer Vielzahl einzelner, anonymisierter Transaktionen und wird jeweils, wie im Falle von Bitcoin, mit einer komplexen Rechenaufgabe verschlüsselt, die von sog. Minern wiederum entschlüsselt wird. Diese kontrollieren anschließend die Transaktionen und fügen den neuen Block der Blockchain an. Ok. Nun werden viele sagen: "Ja aber, öh, HÄ?!" und ich würde antworten: "Das heisst Hä-Bitte!" Nein, Scherz beiseite.

Ich versuche es soweit es geht zu vereinfachen. Stellen wir uns vor Anton will Beate einen gewissen Geldbetrag überweisen. Anton wohnt in Deutschland. Beate ist gerade "Down Under" in Australien unterwegs und ihr wurde der Geldbeutel von einem geldgierigen Krokodil gefressen. Sie ist also pleite und benötigt auf dem schnellsten Wege Geld. Eine reguläre Banküberweisung kann dabei sehr kostspielig sein und was in diesem Fall noch wichtiger ist: Sehr, sehr langwierig! Eine Transaktion mit Bitcoins (oder einer ähnlichen Kryptowährung) hingegen, kann innerhalb von Sekunden bei Beate ankommen. Das geht deshalb, weil eben keine Bank als Mittler zwischen den beiden steht und hohe Gebühren etc. fordert, sondern lediglich hochleistungsstarke Computer die Transaktionen überwachen und bewilligen.

Sendet also Anton z.B. 10 Bitcoins an Beate wird diese Transaktion in einen neuen Block geschrieben. Dieser wird verriegelt mit einer komplexen Rechenaufgabe. Nur wer diese lösen kann, sieht die Transaktion. Nun kommen sog. "Miner" (Schürfer) ins Spiel, das können Computer von Unternehmen oder auch normalen Privatpersonen sein, die versuchen die Rechenaufgabe zu lösen, um die Transaktion auf ihre Richtigkeit prüfen zu können. Jeder Miner besitzt ein 1:1 Abbild der kompletten Blockchain, also mit allen bisher veröffentlichten Blöcken und getätigten Transaktionen. Das System ist also im Prinzip absolut transparent. In der Transaktion steht nun aber weder der Name Anton noch der Name Beate, sondern lediglich die jeweilige alphanummerische Kennung der sog. "Wallet" (Geldbörse), die sich beliebig oft ändern kann. Ein Rückschluss auf die Personen ist somit ausgeschlossen. Löst nun ein Miner die Rechenaufgabe, wird er vom System mit einem bestimmten Betrag an Bitcoins belohnt (deshalb auch die Bezeichnung Miner) und die im Block befindlichen Transaktionen werden allen anderen Minern offengelegt. Ist sich nun die Mehrheit der Miner einig über die Richtigkeit der Transaktion, also ist z.B. Antons Konto auch aureichend gedeckt, wird die Transaktion bewilligt, der Block wird der Blockchain angefügt und Beate erhält in der selben Sekunde die Bitcoins. Klingt doch klasse oder?

Jetzt werden sich vermutlich viele fragen: "Hm, mein Privatcomputer kann mir also Bitcoins sammeln und ich werde dabei reich, ohne einen Finger krum machen zu müssen?" Nein, da muss ich euch leider enttäuschen. Mit normalen PCs haben diese "Schürfanlagen" nichts zutun. Diese Computer bestehen aus einer Vielzahl sehr potenter GPUs und CPUs, damit die riesige Datenmenge die eine solche Blockchain erreicht auch verarbeitet werden kann (die Bitcoin Blockchain hat aktuell eine Größe von 171 GB, Stand 12/2017, Quelle Wikipedia). Diese Rechenmaschinen verbrauchen deshalb auch sehr, sehr viel Strom. Der Stromverbrauch ist in etwa mit einem handelsüblichen Staubsauger zu vergleichen, wenn man diesen 24 Stunden und 365 Tage im Jahr ununterbrochen auf höchster Stufe laufen liese. Denn diese Computer sollten genau das tun: Ununterbrochen laufen können. Nur so haben sie eine Chance der erste zu sein, der die Rechenaufgabe löst. Die verdienten Bitcoins beziehen sich auf eine bestimmte Anzahl vom System neu erstellter Bitcoins. Alle 10 Minuten werden nämlich weitere Bitcoins erzeugt bis die festgelegte Höchstgrenze von 21 Mio. erreicht ist. Alle 4 Jahre wird jedoch die Anzahl der innnerhalb 10 Minuten erzeugten Bitcoins halbiert. Klingt immernoch verlockend?

Naja, dann solltet ihr noch wissen, dass es mittlerweile ganze Serverfarmen gibt, die nichts weiter tun als "Minen". Dabei werden tausende dieser Rechenmaschinen in Reihe geschaltet, was die Rechenkapazität immens erhöht und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Rechenaufgabe gelöst werden kann. Einer dieser Farmen steht z.B. in Island und hat nach eigener Aussage in einem Interview mit Galileo (ProSieben) einen Stromverbrauch von ca. 2 Mio. Euro pro Monat. Die Wartungskosten der Maschinen müsste man da jedoch noch draufrechnen.

Für Privatpersonen dürfte sich das Minig also vermutlich nicht mehr lohnen, es sei denn sie können eine ähnlich große Farm anlegen.

Bitcoins oder andere Kryptowährungen können nur auf speziellen Börsen gekauft werden. Aktuell kostet z.B. ein Bitcoin ca. 7.000 US Dollar. Als Zahlungsmittel ist der Bitcoin bereits häufig anerkannt, z.B. bei Edeka, DELL, Microsoft oder Amazon.

Alles in allem klingt so eine Kryptowährung also durchaus überzeugend:

  • Transaktionen laufen anonym und dezentral über eine Vielzahl von einander unabhängigen Servern
  • die Richtigkeit der Transaktionen wird demokratisch innerhalb des Systems überwacht
  • Manipulationen sind sofort sichtbar und können eleminiert werden
  • dadurch ist die Sicherheit der Transaktionen als sehr hoch einzustufen
  • keine Bank oder Institution kann das Konsumverhalten protokollieren oder analysieren
  • die Transaktionskosten sind sehr gering
  • die Geschwindigkeit ist sehr hoch

Alles sehr positiv. Oder?

Nun, erinnern wir uns mal womit Bitcoin so bekannt wurde: Als Zahlungsmittel im sog. Darknet. Dort werden z.B. Drogen und Waffen gehandelt. Geschieht sowas also abseits des Gesetzes ohne jegliche Kontrollinstanzen und das auch noch völlig anonym, ist das ein perfekter Nährboden für allerlei krimineller Machenschaften.

Es ist also nicht alles Gold, was glänzt.

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